Duo Wolfsmond - Creative Tantra Events Berlin

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"Menschen sind schon komische Tiere!", so denkt es von Zeit zu Zeit in mir, wenn ich durch die Berliner Straßen laufe, in der Tram sitze oder in einem Supermarkt auf der Jagd nach etwas Essbarem bin. "Sie leben gestapelt in viereckigen Steinkästen, gestalten alles in geraden Linien aus destillierten Baustoffen, die komplett von ihrem natürlichen Kontext 'gereinigt' wurden, verstecken ihre Körper unter Kleidung vor den Blicken ihrer Artgenossen, verbringen Jahre ihrer Lebenszeit damit, sich natürlich wachsende Körperteile abzuschneiden oder wegzurasieren, verdrängen alle anderen Spezien aus ihrem Lebensraum, weil sie sie nicht mehr verstehen, sie als 'Erreger', 'Parasiten', 'Raubtiere' oder einfach 'Störenfriede' empfinden, tun alles, um die Lebensdauer ihres derzeitigen Körpers zu verlängern, überdecken ihren natürlichen Körpergeruch und bombardieren ihre Körper im Namen der Hygiene mit Giften. Ekeln sich vor ihren eigenen Ausdünstungen und Ausscheidungen, verstecken sich zum Kacken, damit es ja keiner sieht oder sich von dem 'Gestank' belästigt fühlt, verstecken sich zum Ficken, damit sie ihren Nachwuchs damit nicht 'traumatisieren' und damit sie bloß niemand beim Kontrollverlust erwischt." - Wut kocht in mir auf und innerer Unfriede.

Wer spricht da? Ich nenne ihn gerne 'meinen inneren Hippie', ein Wesensanteil von mir, der vor zwanzig Jahren mein Denken und Handeln maßgeblich geführt hat, jemand der mich immer wieder wachgerüttelt hat, mich immer wieder genötigt hat, Fragen zu stellen, nichts als gegeben hinzunehmen und im Fluss zu bleiben, den ich dafür bis heute sehr liebe, der sich aber auch in dogmatischen Glaubenssätzen fest gebissen hat, dem im Laufe der Jahre Stacheln gewachsen sind, nicht zuletzt wegen der anhaltenden Widerstände von außen.

"Von außen? - Ich wurde als weißes Blatt Papier geboren, und alles was ich heute bin, ist die Summe meiner Erfahrungen, all das was mein innerer Hippie gerade geschimpft hat, kam ebenfalls von außen, und die ganze 'Gesellschaft' auf die ich so gern mit dem Finger zeige, hat mich genauso geprägt, und all die Widerstände, die ich spüre sind in mir, sind der Teil davon, der auch mich zu dem macht, der ich heute bin!" - Scheiße, mein innerer Sozialpädagoge meldet sich zu Wort. Scheiße, weil ich ihn natürlich auch liebe, weil er eine Menge verstanden hat, aber Scheiße, weil sich in mir jetzt ein Loyalitätskonflikt aufbaut.

"Die Vorstellung, wir Menschen seien 'unnatürlich' ist doch ein reines Konstrukt. Unsere Transformation zu kulturellen Wesen ist genauso Teil unserer natürlichen Evolution wie alles andere auch. Ich kann nur dann glücklich sein und gute Energie in die Welt bringen, wenn ich mich selbst auch als Teil der Spezies Mensch mit all ihren Besonderheiten lieben lerne, wenn ich ein Ja finde zu dem was ist, mich damit zentriere und anfange, die Welt mit Liebe zu gestalten, anstatt mit Wut." - Aho! Da bin ich gerade. Für diese Instanz eine Schublade zu benennen widerstrebt mir, möchte ich dieses Wesen doch frei von traditionalistischen Ideen weiterwachsen lassen, aber für die Ordnung dieses Textes nennen wir ihn mal 'meinen inneren schamanischen Tantriker'.... oder  'meinen inneren tantrischen Schamanen'? Mein Bauch sagt mir, der Weg, den er mir weisen möchte, fühlt sich in jedem Fall heilsam an, für mich, für meine Umgebung, für das große Ganze.

Aber der Loyalitätskonflikt, die inneren Widersprüche sind noch nicht geklärt. Der Hippie meldet sich, besänftigt aber verwirrt: "Die anderen Tiere und die Pflanzen und alles, was sonst noch lebt, die sind ganz in der Liebe, die kennen ihr natürliches miteinander und haben die Mutter Erde zu einem Paradies werden lassen, einschließlich fressen und gefressen werden. Die Tiere kennen instinktiv die natürliche Ordnung und die Naturvölker, die Indianer usw., die waren mit diesem Wissen noch ganz in Kontakt und haben mit der Welt im Einklang gelebt, ohne den Planeten zu zerstören und ohne sich total zu entarten." - Der Schamane nickt und lächelt wissend. "Mein innerer Krieg ist nur ein Spiegel dessen, was ich gerade im außen zu sehen glaube" - mein innerer Osho. 

"Ich möchte auch einfach in Frieden leben, mit mir selbst und den Menschen um mich herum, sie nicht bekämpfen oder aussteigen und im Wald leben. Ich habe mich entschieden zu bleiben" - mein innerer... wie heißt Du eigentlich?

Okay, genug davon. Was tun? Mein innerer Philosoph weiß: "Wenn zwei Ideen scheinbar im Widerstreit zueinander wahr sind, dann liegt das an Deiner Perspektive. Du stehst dazwischen, und musst Dich immer in die eine oder die andere Richtung drehen, um sie anzuschauen. Du findest keine Ruhe. Geh dort weg und stell Dich irgendwo hin, wo Du bequem beide anschauen kannst, sehen kannst, wie sie nebeneinander stehen, jede an ihrem Platz." Wunderschönes Logikmodell, aber wie tue ich das in der Praxis?

Der ganze Konflikt lässt sich reduzieren auf folgendes: Ich glaube, es gibt in der Evolution ein Wissen, wie der Weg weiter geht. Man könnte es Gott nennen, aber im Sinne des Tantra glaube ich auch, dass das Göttliche in uns allen wohnt. Ich kann dieses Wissen in mir finden. Ich nenne es derzeit 'das innere Tier'. Nicht so sehr 'mein inneres Tier', obwohl das auch nicht falsch ist, aber es geht mir hier vor allem um das Wissen, was das Ich transzendiert. Das innere Tier also ist jener Teil, der den ganzen Weg von der Ursuppe bis zu mir kannte, kein einziges mal in diesen 4,5 Milliarden Jahren falsch abgebogen ist, denn sonst wäre ich jetzt nicht hier. Die Biologie bezeichnet dieses Wissen als Instinkt, der aber oft als primitiv bewertet wird, als etwas, was wir hinter uns lassen müssen. Ich möchte das nicht. Der beschriebene Konflikt zeigt mir nämlich, dass ich dem inneren Tier unterstelle, dass es sich falsch verhielte, dass es vom Weg abgekommen sei, dass es sich nicht so verhält, wie ich es auf Grund meiner bisherigen Bekanntschaft mit ihm voraussagen würde. Warum? Ganz einfach, weil ich das Tier nicht gut genug kenne, weil ich es nicht ausreichend verstehe.

Diese ganze Angelegenheit ist nur einer von vielen Hintergründen, neben all den vordergründigen und so wichtigen Aspekten der Körperarbeit und der Aktivierung des untersten Chakras, die mich inspiriert haben zu unserem Gruppenritual "Die Erweckung des inneren Tieres". Ich bin schon sehr gespannt, ob das Ritual Licht in diese Fragen bringen wird, und was es sonst noch so mit uns anstellt, und ich freue mich auf alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die kommen, um dieses immer wieder neue Land mit uns zu entdecken. Und ich bin gespannt auf eure Meinung, die könnt ihr nämlich gern hier unten als Kommentar hinterlassen.

Chono